Alben-Rezensions-Stock mit den Editors

Rache kommt oft spät, aber sie kommt. Beim durchlesen meiner täglichen Feeds hat es mich doch glatt erwischt: Während ich grad gutgelaunt alle meine geliebten Blogs abgrasen wollte, erwischte ich einen endgültig guten Artikel mit einer Rezension zu Sunset Rubdowns “Dragonslayer”. Anstatt mich selbst zum lesen bremsen zu lassen, sprang Sascha himself aber schon aus seinem Versteck hervor, um mir einen riesigen Stock Baum zwischen die rennenden Beinchen zu werfen.

Nachdem ich wieder zu mir kam, erzählte er mir von einer gewissen Dany, die diesen Stock Baum ursprünglich mit ihren eigenen Händen geschnitzt hatte. Nachdem die ersten Opfer Blogger damit beworfen wurden, waren anschließend nicht mehr genügende Leute am Leben, um dieses Riesenviech von einem Stock weiter zu werfen. Zum Abschluss dieser sehr merkwürdigen Situation erhielt ich von Sascha dann noch den Befehl, bitte umgehend das Album “An End Has a Start” von den Editors anzuhören und zu rezensieren – sonst würde ich den nächsten unglücklichen Zwischenfall nicht so unverletzt überleben. Nachdem er noch einmal diabolisch aufgelacht hatte und kichernd in einem Kino aus rosa Zuckerwatte bestehend verschwand, um seinen Lieblingsfilm – den allerletzten Tanzfilm -  zu schauen,  stand ich nun da. Die Beine gebrochen, verwirrt, die Editors im Kopf…

Was mit einer harmlosen kleinen Zitrone anfing, nahm nun mit einem Stock Baum kolossalen Ausmaßes ein vorläufiges Ende.

Umgehend beauftragte ich meinen kleinen grünen Freund Spotty das Vieh damit, mir “An End Has a Start” aus der Plattenkiste zu wühlen. Das Album war mir bereits ausreichend bekannt – ich würde es gar zu meinen Lieblingsalben zählen – aber nach der ganzen Aufregung war ich nur zu gern bereit, dieses Werk nochmals auf mich einwirken zu lassen:

Opener des Albums ist die wahrscheinlich recht bekannte Single “Smokers Outside the Hospital Doors”. Zu diesem Song habe ich eh eine besondere Bindung, da dieser damals dafür verantwortlich war, dass ich mir die Editors doch mal genauer anschauen sollte. Mittlerweile habe ich mindestens auch Laramy infiziert und habe die Band auf dem Hurricane Festival auch schon ein mal live spielen sehen. Als Opener ist der Song selbst sehr gut geeignet, denn er bringt den Sound der Band ganz gut auf den Punkt ohne zuviel zu verraten. Ich mag rein subjektiv vor allem die Drums, denn die kann ich in diesem Fall sogar nachspielen (Nicht gut, aber erkennbar).

Nachdem man von der ersten Single direkt mal soundmäßig weggepustet wurde und man sich denkt “Ach, schöne Band!” folgt direkt der Titeltrack “An End Has a Start”. Ein grundsolides Werk, dass sich nicht hinter anderen Stücken verstecken braucht. Bei angemessener Lautstärke (also LAUT) wird man vom Refrain fast noch mehr weggeblasen als noch im Opener. Extrem tanzbarer Song! Ich würde fast wetten, dass hier kaum jemand ruhig auf seinem Stuhl sitzen bleibt.

“The Weight of the World” lässt es im Anschluss eher etwas ruhiger angehen. Verdammt, dieser Song lädt so unglaublich ein, einfach die Augen zu schließen und in die Welt der Editors abzutauchen. Einfach nur genießen. Qualitativ bleiben wir auf einem sehr hohem Niveau, und rein charakteristisch würde ich hier das Adjektiv “inspirierend” verwenden.

Nachdem man sich gerade etwas abgeregt hat, wird man mit einem sehr wiedererkennbaren Gitarrensolo zurück in die Realität geholt und man beginnt wieder zappelig zu werden. Die Editors haben “Bones” angestimmt. Mit dem vierten Song haut die Band einfach mal den vierten Ohrwurm raus und man fragt sich: “Kann es denn noch genialer werden ?” allein die geschickt gesetzten Tempowechsel innerhalb dieses Songs antworten ganz klar: “Oh ja, kann es!”.

Mit “When Anger Shows” geht es anfangs wieder eher bedächtig zu. Im Gegensatz zum Titel kommt bei mir kein Ärger auf, wenn ich das hören muss. Das Tempo steigert sich wieder und das (für mich) berühmt berüchtigt zufriedene “Editors-Grinsen” übernimmt die Kontrolle über mich. Im Gegensatz zu dem sagenhaften Start des Albums, weiß dieser Song nicht sonderlich aufzufallen – was aber nicht heißt das er nicht gut wäre. Vor allem mag ich den Part ab 3:26, der erst leise geflüstert beginnt und mit Gesang und Musik dann immer lauter/wilder wird:

How can you know what things are worth
If your hands wont move to do a days work?

Genau mein Ding.

Dann ertönen auch schon die ersten Klänge von den “Racing Rats” – einer weiteren Single wenn ich mich recht erinnere. Nun, was gibt es noch zu schreiben ? Auf einem durch und durch gelungenem Album wurde dieser Song zur Single gekürt – und das nicht ganz unverdient.

“Push Your Head Towards the Air” geht wieder in diese verträumte ruhigere Richtung und versucht nicht zwanghaft ein Ohrwurm zu sein. Eine gelungene Abwechslung an der richtigen Stelle. Der Song wird schön sachte von der genialen Stimme eines Tom Smith, wuchtigen Klavierklängen und einem seichten Schlagzeug getragen. Nachdem der Song zur hälfte um ist, wechselt nochmals kurz die Struktur um dann einfach in einem Moment der akustischen Schönheit zu zerfließen. Hach..

Mit dem eigentlich wieder wuchtigerem Song “Escape the Nest” wird zunächst das schöne Outro des vorherigen Songs wieder aufgefangen um dann wieder voll anzugreifen. Zeilen wie:

Look up
Through the trees to feel as small as you can,
You hear the clocks counting down,
The nights are longer now than ever before,
But now you see the lights from the town.

machen diesen Song zu meinem (mittlerweile) Lieblingsstück auf diesem Album. Die Musik, der Gesang, der Text.. es passt einfach alles.

In “Spiders” erklären mir die Editors, dass in meinem Zimmer irgendwelche Spinnen wären – nichts für meine Arachnophobie. Dieser Song erinnert mich seit ich ihn das erste mal gehört habe an irgendeinen älteren Song, aber es will mir partout nicht einfallen, welchen ich den meine. Da dieser Song zwar okay ist, aber nicht herausragend und er mich zum Nachdenken über andere Songs anregt, nenne ich diesen mal “das Mysterium”.

Als Outro gibt es dann noch “Well Worn Hand”. Nachdem das Tempo wieder nach und nach gedrosselt wurde, ist dieses hier an einem passenden Stillstand angekommen. Schöne Klavierbegleitung, die der Stimme von Tom Smith endlich die verdiente Aufmerksamkeit zukommen lässt. Für sich genommen wäre mir dieses Werk eigentlich zu langsam, aber als Outro für dieses Album passt es ganz gut.

Nachdem ich das Album nun ordentlich abgefeiert habe, fehlt nun noch eine Wertung. Endgültig hat mir da eines meiner Lieblingsalben vorgeworfen – da fällt mir die Bewertung natürlich recht leicht. Ich vergebe 10 von 10 Zitronen.

zitronezitronezitronezitronezitronezitronezitronezitronezitronezitrone (ja, ich habe 10 mal dieselbe Grafik eingebunden ^^)

Nun ist es noch an mir, den Stock Baum wieder aufzuheben und ihn mit schmackes weiter zu werfen, um zukünftigen endgültigen Attacken aus dem Weg zu gehen. Dafür habe ich 5 Alben rausgesucht und sie zufällig 5 zufälligen Bloggern zugelost. Viel Spaß!

Zunächst habe ich mal einen Spotify-Link zu jedem Album gesetzt, falls jemand kein Spotifynutzer sein sollte und/oder das Album woanders nicht gefunden werden kann, kontaktiert mich hier einfach. Entweder finde ich dann eine andere Möglichkeit, oder es gibt ein neues Album. Sollte jemand keine Lust auf den Stock Baum haben, einfach Bescheid sagen oder ignorieren. Wird schon niemand drunter leiden.

Bonaparte – Too Much wird bewertet von Cy.

The National – Boxer wird bewertet von Tobias.

Swan Dive – Intuition wird bewertet von Dany. (Die Erfinderin soll auch mal wieder dran sein!)

The Young Gods – XXY wird bewertet von Moritz.

Florence + the Machine – Lungs wird bewertet von Torsten.

Related posts:

  1. Blogparade: Die drei besten Alben der 00er Sascha hatte aufgerufen, die besten Alben der 00er Jahre zu...
  2. Projekt Hörsturz – Runde 4 Mittlerweile läuft schon wieder die vierte Runde des Projekt Hörsturz...
  3. Projekt Hörsturz – Runde 11 Die Zeit ist gekommen für schonungslose Aufbereitung, Kritik und musikalischer...
  4. Projekt Hörsturz – Runde 5 Bevor ich mich morgen nach Frankfurt verabschiede, wartet noch ein...
  5. Projekt Hörsturz – Runde 2 Bei Beetfreeq gibt es bereits seit dem 1. August eine...

Autor: LemonHead
Datum: Mittwoch, 9. September 2009 18:21
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Blogparade, Musik, Reviews

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

5 Kommentare

  1. 1

    Was is Spotify? Kann man das essen? xD


  2. 2

    Ach, anfangs hatte ich noch Mitleid; doch nachdem ich deine Bewertung nun gelesen habe, kann ich nur sagen, das ich dir sehr gerne (Fast) die Beine gebrochen habe. Erstens hattest du nochmal schöne Musikminuten und wir einen sehr, sehr guten Post zu lesen bekommen.
    Die arme Dany, nun hat sie bereits zwei Alben in der Warteschleife…


  3. 3

    @Moritz: Würde ich eher nicht versuchen. ;)
    Habe selbst mal drüber berichtet: http://www.lemons-world.de/blog/?p=849

    Sollte der dort beschriebene Weg nicht mehr funktionieren, ändert sich aber nichts an der Vorgehensweise: (UK) Proxy suchen und ab die Post. Falls du das alles nicht möchtest, ist das auch kein Problem. Ein Teil des Albums ist bei last.fm zu hören: http://www.lastfm.de/music/The+Young+Gods/XXY
    Eine andere Stelle hab ich auf die schnelle nicht gefunden. Kannst auch ein anderes Album nehmen, wenn du magst. Ich hab da noch so einiges im Angebot. ^^

    @Endgueltig: Danke für die Blumen. ;) Das Dany schon ein Album in der Warteschleife hat, wusste ich nicht. Tut mir leid.
    Aber: Warst du schonmal in der Situation, eines deiner Lieblingsalben rezensieren zu müssen ? Ist gar nicht so leicht, wenn man schon jeden Ton auswendig kennt. Sonst kommt es ja doch sehr auf den ersten Eindruck an..


  4. 4

    [...] LemonHead hat mir einen Stock in die Fresse gerammt und mir die Aufgabe erteilt, das Album “XXY” von “The Young Gods” zu [...]


  5. 5

    [...] September: “Rache kommt oft spät, aber sie kommt.” (aus: Alben-Rezensions-Stock mit den Editors) [...]


Kommentar abgeben